Die BBS haben nun eine „Fertigungsstraße“

Wenden, bohren oder Etiketten aufkleben: Schüler können Produktionsabläufe von der Bestellung bis zum Transport kennenlernen und sogar Waren mit einer Art Roboter transportieren lassen (Foto unten).	Fotos: HachmeisterWer hin und wieder an seinen eigenen Schulunterricht zurückdenkt, der wird sich womöglich an die drögen Mathematikstunden erinnern, in denen Formeln und Gleichungen mit weißer Kreide an der Tafel notiert und danach abgeschrieben wurden. Bestimmt gab es auch das eine oder andere Diktat in der Deutschstunde oder einen Vokabeltest im Englischunterricht. Mittlerweile sind die Zeiten des einseitigen Frontalunterrichtes, als die spannendsten Schulstunden noch daraus bestanden, einen Dokumentarfilm zu gucken, glücklicherweise vorbei. So sollen Schülerinnen und Schüler laut aktueller Bildungspolitik nicht mehr nur theoretisch, sondern auch praktisch auf das Leben vorbereitet werden. Und auch technisch haben zahlreiche Schulen in der Vergangenheit fleißig nachgerüstet - allen voran die Berufsbildenden Schulen (BBS) in Walsrode.

Ein interaktives Smartboard statt der grünen Kreidetafel, zahlreiche PCs anstelle von Stiften und Papier und eine nachempfundene Produktionsanlage, die das klassische Schulbuch ersetzt - die sogenannte „Smart Factory" hat viel für die Schüler zu bieten, sogar einen eigenen 3D-Drucker.
Vor allem die angehenden Elektroniker für Automatisierungstechnik sowie für Betriebstechnik können von dem neuen Bildungsangebot der BBS profitieren. Die „Smart Factory“ ermögliche den Schülern nämlich, reale Produktionsprozesse nachzuvollziehen und diese bereits im Rahmen der Ausbildung kennenzulernen, erklärt Lehrer Helge Theissen im Rahmen der offiziellen Vorstellung des neuen Lern angebotes.

Vom ersten Auftrag bis hin zu der finalen Fertigstellung eines Produktes - all das ist in dem neuen Technikraum der Schule nun anschaulich möglich. An den Computern werden Bestellungen bearbeitet, die Kontakte mit den Kunden gepflegt und Transporte geplant. Auf zwei Produktionslinien können Waren hergestellt werden, die ganz automatisch mit Etiketten versehen, gewendet, gepresst oder mit einer Art Roboter von Linie 1 zu Linie 2 transportiert werden können - die Produktionssimulation gelingt aber nur, wenn die Abläufe im Vorfeld korrekt von den Schülern programmiert worden sind. „Solche Fertigungsstraßen gibt es heute in einer größeren Form in zahlreichen Unternehmen", weiß auch Schulleiter Andre Kwiatkowski.

Wenden, bohren oder Etiketten aufkleben: Schüler können Produktionsabläufe von der Bestellung bis zum Transport kennenlernen und sogar Waren mit einer Art Roboter transportieren lassen (Foto unten).	Fotos: HachmeisterDie „Smart Factory" biete den Schülerinnen und Schülern aber nicht nur einen genauen Einblick in modernste Produktionsabläufe. Tatsächlich gebe es zahlreiche didaktische Möglichkeiten, von denen die Ausbildung auf Dauer profitieren würde, so Helge Theissen. Der Unterricht in der technischen Werkstatt beinhalte unter anderem Analysen der Modelle oder das Erarbeiten der verschiedenen technischen Abläufe. „Sogar wenn es mal zu einer Fehlermeldung kommt, können die Schüler viel dabei lernen, wenn sie diese beheben", so Theissen weiter.

Insgesamt zwei Jahre Planung stecken in der „Smart Factory", die im November von der Firma Festo installiert und zunächst von den Lehrkräften der BBS ausprobiert worden ist. Doch nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld waren für die Anlage notwendig, die insgesamt rund 200.000 Euro kostet. Der zusätzliche Umbau und die Modernisierung des Raumes, in dem sich die „Smart Factory" befindet, kostete weitere 100.000 Euro. Doch der Aufwand sei es allemal Wert gewesen, so Helge Theissen. Das Feedback der Schüler sei nämlich ausnahmslos positiv.

„Nur durch den Dialog mit der Politik konnten wir dieses Projekt finanzieren und schließlich auch verwirklichen", bedankte sich Schulleiter Andre Kwiatkowski. Allein die gute Zusammenarbeit ermögliche solch ein effektives Lernen für die Schülerinnen und Schüler. Und auch Landrat Manfred Ostermann betonte, dass der Landkreis froh sei, solch ein Projekt zu unterstützen. „Und wir machen hier nicht Schluss", erklärte Ostermann. Ziel sei es, den jungen Menschen durch die „Smart Factory" zu signalisieren, dass sich der Besuch der BBS Walsrode im Hinblick auf ihre berufliche Bildung lohne.

Quelle: Walsroder Zeitung vom 19.02.2020 von Alessa Hachmeister

TOP